Warum die Preisfunktion ein angemessenes Steuerungsinstrument beim Ausgleich konfrontativer gesellschaftlicher Prozesse ist

Warum die Preisfunktion ein angemessenes Steuerungsinstrument beim Ausgleich konfrontativer gesellschaftlicher Prozesse ist

Gesellschaften streiten gern. Über Wohnraum, Klima, Energie, Mobilität. Alle wollen etwas, aber nicht alle dasselbe, und meistens gibt es davon zu wenig. Die klassische Politik reagiert darauf mit Regeln, Verboten und Appellen an das Gewissen. Das Ergebnis ist oft vorhersehbar: Frust, Trotz und noch mehr Streit. Der Preis dagegen wirkt unscheinbar – und gerade deshalb erstaunlich effektiv.

Der Preis diskutiert nicht. Er moralisiert nicht. Er sagt nicht: „Du sollst“ oder „Du darfst nicht“. Er sagt nur: „Das kostet.“ Mehr nicht. Genau darin liegt seine Stärke. In einer Gesellschaft, die sich über Werte permanent uneinig ist, ist ein Instrument hilfreich, das ohne Werte auskommt. Der Preis übersetzt Konflikte in Zahlen und lässt dann alle selbst entscheiden, was ihnen etwas wert ist.

Philosophisch betrachtet ist der Preis (grundsätzlich, wenn man die Marktmacht einzelner ausblendet) ein Freund der Freiheit. Er zwingt niemanden, sondern konfrontiert jeden mit den Folgen des eigenen Handelns. Wer viel fliegt, zahlt mehr. Wer Ressourcen schont, spart. Das ist keine Moral, sondern Verantwortung. Der Preis behandelt Menschen nicht wie Erziehungsobjekte, sondern wie entscheidungsfähige Akteure. Das ist erstaunlich respektvoll.

Juristisch ist der Preis ebenso charmant. Er diskriminiert nicht, zumindest nicht formal. Gleicher Preis für alle. Keine Sondergenehmigungen, keine politischen Gnadenakte. Ungleichheit entsteht nicht durch Rechtsetzung, sondern durch unterschiedliche Prioritäten. Das macht Entscheidungen weniger angreifbar, weil sie nicht als staatlicher Zwang erlebt werden, sondern als eigene Wahl.

Besonders nützlich ist der Preis dort, wo Konflikte eskalieren. Politische Zuteilung erzeugt Gewinner und Verlierer – und damit Dauerempörung. Preise verlagern den Konflikt aus der politischen Arena in den individuellen Alltag. Man streitet weniger über „richtig“ und „falsch“ und mehr über „lohnt sich das für mich?“. Das klingt banal, ist aber sozial hochwirksam.

Hinzu kommt: Preise lernen schneller als Parlamente. Sie reagieren sofort auf Knappheit, Innovation und neue Gewohnheiten. Ein steigender CO₂-Preis verändert Verhalten schneller als zehn Seiten Verordnungstext. Und er lässt offen, wie das Ziel erreicht wird. Technik, Verzicht oder Kreativität – alles ist erlaubt. Hauptsache, es funktioniert.

Natürlich sind Preise nicht gerecht per se. Wer wenig hat, spürt sie stärker. Aber das ist kein Argument gegen Preise, sondern für kluge Ausgleichsmechanismen. Man kann umverteilen, rückerstatten, entlasten – ohne den Preismechanismus zu zerstören.

Am Ende ist der Preis kein Allheilmittel, aber ein erstaunlich zivilisiertes Werkzeug. Er ermöglicht Kooperation ohne Einigkeit, Ordnung ohne Zwang und Steuerung ohne Moralpredigt. In einer Gesellschaft, die sich ständig streitet, ist das fast schon ein kleines Wunder.

Das man die Marktmacht Einzelner beschränken sollte, ist ein Begleitumstand, der das „freie“ Suchen nach dem „richtigen“ Weg stark beeinflussen kann. Trotzdem ist der Gedanke dem einzelnen Subjekt die wesentlichen Entscheidungen zu überlassen und nicht – wie Hayek u.a. so treffend kritisieren – einigen Wenigen die Strukturierung der Freiheit an die Hand zu geben.

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